| Die Technik des Spinnens |

Israhel van Meckenem d.Ä.
15. Jahrhundert: Ausschnitt |
Im Folgenden werden die verschiedenen Arbeitsschritte der
Wollspinnerei vorgeführt.
Das Verspinnen von Flachs unterscheidet sich nur dadurch, daß
der Flachs oft naß versponnen wurde. Das Anfeuchten der Faser
löst die Pflanzenschleime, die beim Trocknen den Faden verkleben
und festigen.
Bei der Baumwollspinnerei ist sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt,
da die Fasern sehr kurz sind.
Für die Seidenspinnerei empfehlen sich leichte Spinnwirtel mit
gutem Drall. Für sehr feine Seidengewebe wird der Faden direkt
aus dem Kokon abgewickelt und verwendet.
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Spinnerei, nicht nur eine Arbeit für den Winter, o.J. |
| Die Vorbereitung |
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| Die Schur |
Das Waschen |
Das Kardieren |
| Schafe oder andere Woll-Lieferanten
werden mit Scheren geschoren, oder die Wolle wurde ausgezupft oder gesammelt.
Die Form der Wollscheren hat sich seit gut 800 Jahren kaum verändert. |
Die Wolle wird nach dem Scheren vorsichtig
gewaschen, um Dreck, Fett und Staub zu entfernen. Teile des Wollfettes
bleiben allerdings in der Wolle und machen sie wasser- und schmutzabweisend. |
Um Disteln, Kletten, Hautschuppen, Knoten und andere störende
Verunreinigungen zu entfernen wird die Wolle mit Karden gekämmt.
Dabei wird sie lockerer, was den Spinnvorgang erleichtert. Will man sehr
stabile Fäden spinnen, empfiehlt es sich, die Wolle noch durch einen
Kamm zu ziehen, damit alle Haare parallel zu liegen kommen. |

Schafe scheren, Landwirtschaftlicher Kalender o.J. |
Um eine Trennung von langen und kurzen Fasern zu erreichen
wurde die Wolle mit Bögen geschlagen (Wollschläger). Durch die
Vibration trennen sich die Fasern. Eine Trennung von langen und kurzen
Fasern ist schon seit der Römerzeit üblich. |

Handkarden mit Wolle: auf Holzbretter mit Griff ist ein Leder aufgenagelt,
das mit Widerhaken versehen ist. |

Kardieren 1. Schritt:
die Wolle wird zwischen die Karden gelegt |

Kardieren 2. Schritt:
die Karden werden gegeneinander auseinander gezogen |
Kardieren 3. Schritt:
die Wollfasern sind sauber und gelockert
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In England wurden für das Kardieren zwei Eisenkämme warm
gemacht und mit Butter oder Öl getränkt, um eine Beschädigung
der Fasern zu vermeiden. Manchmal wurde nur einer der Kämmer erhitzt,
dieser war dann fest montiert.
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Das Spinnen |
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| Man benötigt einen Anfangsfaden, den man sich mit den
Fingern aus den Wollfasern dreht, befestigt diesen unten an der Spindel
und schlingt ihn mit einer Schlaufe um die Spitze des Spindelstabes. Dann
versetzt man die Spindel in Drehung und zieht den Faden aus dem gelockerten
Wollbausch langsam heraus.
Ist der Faden so lang wie der Arm wird die Schlinge an der Spitze gelöst
und der Faden auf die Spindel aufgewickelt. Dann beginnt man von vorne.
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Herausziehen der Wolle aus dem Bausch |

Der Faden wird länger, je mehr Wolle miteinander verdrillt wird. |
| Die Nachbearbeitung: |
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| Das Zwirnen |
Das Haspeln |
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| Wenn der einfach gesponnene Faden (Dochtgarn) zum Weben
verwendet wird, ist es nicht notwendig, ihn zu verzwirnen, da er seinen
Drall nicht an das Gewebe weitergeben kann, die Kettfäden verhindern
dies.
Wird der Faden zum Stricken oder Häkeln verwendet, ist es sinnvoll,
ihn zu verzwirnen, d.h. zwei Fäden mit gleicher Drehrichtung (Drall)
in die entgegengesetzte Richtung miteinander zu verdrehen (verzwirnen).
Dies nimmt den Drall aus dem Einzelfaden, gleicht Ungleichheiten aus
und macht den Faden stabiler. Man kann auch mehr als zwei Fäden
miteinander verzwirnen.
Läßt man den Faden (evt. etwas angefeuchtet) länger
auf der Spindel oder auf der Haspel, geht der Drall ebenso verloren
(Prinzip der Wasserwelle bei Haaren)
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Standhaspel mit Zählwerk, die Wolle wird über die Querleisten
aufgespannt. |
Durch das Haspeln wird die Wolle gleichmäßig
gespannt und verliert ihren Drall. Die Stränge eignen sich zur lockeren
und luftigen Aufbewahrung der Wolle. Vor der Weiterverarbeitung wird die
Wolle entweder auf Spulen (Weberei) oder zum Knäuel gewickelt (Stricken,
Häkeln, Nadelbindung).
Die Standhaspel wurde zusätzlich noch mit einem Zahnrad-Zählwerk
ausge- stattet, das es erlaubte, immer die gleiche Länge an Wolle
aufzubickeln. Nach z.B. 70 Umdrehungen ertönte ein knackendes Geräusch,
das das Ende einer Runde signalisierte. Wurde das Geräusch über-
hört, hatte man sich "verhaspelt". Die Tätigkeit des Haspelns
wurde oft den alten Leuten überlassen, daher die Bezeichnung "alter
Knacker".
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Handhaspel mit einfacher Wicklung,
auch hier wird die Wolle gleichmäßig gespannt |
Bei der Verarbeitung von Flachs empfiehlt es sich, die Fasern auf einen
Rocken (Stab, der am oberen Ende eine Halterung für die Fasern
hat) aufzuziehen. Hierzu werden die Flachsfasern fächerförmig
ausgebreitet, um den Rocken gelegt und mit einem Band festgebunden.
Aus diesem Faserbündel lassen sich die Flachsfasern locker herausziehen,
ohne daß man immer mit der Hand nachgreifen muß (siehe Bilder
auf der Seite oben).
Die Flachsfaser hat von Natur aus eine S-Drehung, wird aber meist in
Z-Drehung gesponnen. In englischen Funden hat man festgestellt, daß
für die Kettfäden beim Weben meist z-gedrehtes, für den
Schuß dagegen s-gedrehtes Garn verwendet wurde.
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Während er die Wolle vor dem Spinnen
kardiert, haspelt sie die fertig versponnene
Wolle und wickelt ein Knäuel auf,
Holzschnitt, o.J. |